Hund vegan ernähren Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

hund vegan ernähren mit paprika

Eine vegane Lebensweise ist bei Zweibeinern ein Trend. Doch diesen sollten Sie nicht unüberlegt auf Ihre Tiere übertragen.

Schon seit einiger Zeit ernähren Sie sich vegan, und möchten jetzt auch Ihren Hund vegan ernähren? Zwar sind vegane Futtermittel für Hund, Katze und Co. keine Seltenheit mehr, jedoch sollten Sie dieses umstrittene Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen:

Fleisch vs. Pflanzen: Worauf ist der Hund angewiesen? 

Hunde sind im Gegensatz zu Katzen keine strikten Fleischfresser, sondern sogenannte Carni-Omnivoren. Das bedeutet, dass Hunde neben tierischer Nahrung auch pflanzliche Bestandteile verdauen können. Das bedeutet allerdings nicht, dass Hunde uneingeschränkt fleischloses Futter fressen sollten. 

Denn der gesamte Magen-Darm-Trakt einschliesslich der Zähne Ihres Hundes ist in erster Linie auf den Verzehr von Fleisch angepasst. Nicht ohne Grund ist es unseren Bellos möglich, mal so eben einen Knochen mit seinen scharfen Reisszähnen zu zerkleinern. 

Im Vergleich zu seinem Vorfahren – dem Wolf – kann Ihr Hund allerdings auch pflanzliche Kohlenhydrate (Stärke) verdauen. Diese Eigenschaft kommt durch bestimmte Enzyme zustande, deren Bildung Hunde über die vielen Jahre der Evolution erworben haben. 

Nährstoffmangel: Ist es gefährlich, meinen Hund vegan zu ernähren? 

Leider kommen einige für Hunde essenzielle Nährstoffe (z. B. Vitamin B12 oder Taurin) kaum oder gar nicht in pflanzlicher Kost vor. Und auch in minderwertigem veganen Hundefutter können lebensnotwendige Stoffe für Ihren Bello fehlen.

Ist Ihr Hund unterversorgt, kann dieser Mangel die Zellen wichtiger Organe schaden. So kann es sein, dass der Körper zu wenig Blutzellen bildet und Ihr Liebling unter einer schwächenden Blutarmut (Anämie) leidet. Auch das Nervensystem muss gegebenenfalls Schäden durch einen dauerhaften Nährstoffmangel ertragen.

Es bestehen also durch Gefahren, wenn man den eigenen Hund nur vegan ernährt.

Aktuelle Studie zu veganer Hundeernährung 

Eine im Jahr 2021 veröffentlichte Studie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig hat vier vegane (rein pflanzliche) Alleinfuttermittel für adulte Hunde untersucht. Hierbei hat sie die folgenden Faktoren genauer unter die Lupe genommen: 

  • Deklaration 
  • Fütterungsempfehlung der Hersteller in Kombination mit der kalkulatorisch bestimmten Futtermenge 
  • Versorgung mit Taurin und Vitaminen 

Die Studienergebnisse

Die nach der EU-Verordnung (EG) 767/2009 verbindlichen Angaben zur Deklaration haben die Hersteller überwiegend eingehalten.  

Hinsichtlich der Fütterungsempfehlungen fiel jedoch auf, dass diese bei zwei Produkten nicht mit dem berechneten tatsächlichen Bedarf eines adulten Hundes übereinstimmten. So deckte eines der Futter lediglich 64 Prozent des Futterbedarfs ab. Das andere Produkt lieferte jedoch 121 Prozent und schoss somit deutlich über den normalen Bedarf eines ausgewachsenen Hundes hinaus.  

Auch bezogen auf den Gehalt an wichtigen Mengen- und Spurenelementen kam die Studie zu auffälligen Ergebnissen. Denn diese lagen zwischen 5,2- bis 8,2-fach deutlich über den entsprechenden Empfehlungen der European Pet Food Industry Federation.

Ein zu geringer und / oder zu hoher Gehalt an Rohprotein, Rohfett, Phosphor sowie Zink und Kupfer haben die Wissenschaftler ebenfalls nachgewiesen.  

Schlussfolgerung der veterinärmedizinischen Studie 

Die Studie schlussfolgerte, dass keines der untersuchten veganen Futtermittel alle der empfohlenen Bedarfe (bezogen auf Energie und Nährstoffe) ausgewachsener Hunde erfüllten. Eine langfristige Fütterung dieser veganen Hundefutter könnte demnach bei diesen Hunden einen Mangel hervorrufen. 

Auch Karotten, Gurke und Co. sind bei den Vierbeinern oftmals beliebt – eine reine pflanzliche Ernährung kann für Ihren Hund aber schädlich sein.

Ethik: Sollten Hunde aus moralischen Gründen vegan ernährt werden? 

Viele Hundehalter ernähren sich aus ethischer Überzeugung vegan. Da dies eine individuelle Entscheidung und ein wichtiger Schritt in Richtung Umweltschutz ist, ist daran nicht zu zweifeln.

Doch ist es richtig, die eigene Ernährungsweise auf das geliebte Haustier zu übertragen? Und kritisch gefragt: Ist eine rein vegane Hundeernährung nicht sogar Tierquälerei?

Die seit dem 01. September 2008 geltende Tierschutz-Verordnung besagt:  

„Tiere sind regelmässig und ausreichend mit geeignetem Futter und mit Wasser zu versorgen.“ (Art. 4, Abs. 1). 

In Anbetracht dieser rechtlichen Grundlage als auch des wissenschaftlichen Kenntnisstandes sind die Fragen aus tierärztlicher Sicht beantwortet. Veganer, die ihre Hunde ebenfalls rein vegan ernähren, sollten daher zwingend ihr Verhalten überdenken. Denn wer sich aus Gründen des Tierwohls vegan ernährt, sollte dabei nicht das Wohl des eigenen Hundes übersehen.

Fazit: Ist veganes Hundefutter für Ihren Hund gut? 

Obwohl der Hintergedanke von veganem Hundefutter regelrecht wohlwollend ist, sollten Sie nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand Ihren Hund nicht rein vegan ernähren.  

Denn mehrere tiermedizinische Studien kamen zu dem Ergebnis, dass eine rein vegane Ernährung von Hunden schlimme Folgen nach sich ziehen kann. Dazu zählt insbesondere ein Mangel an essenziellen Nährstoffen. Dabei ist nicht auszuschliessen, dass diese Unterernährung auf Dauer für Ihren Hund tödlich enden kann.

Alternative Beiträge zum Tierschutz

Möchten Sie trotzdem einen wichtigen Beitrag zum Tier- und Umweltschutz leisten, können Sie sich gerne bei entsprechenden Schutzorganisationen (z. B. WWF, Peta) informieren. Diese verraten Ihnen einfache und weniger risikobehaftete Tipps, wie Sie sich im Alltag für Mutter Erde engagieren können.

Wollen Sie Ihren Hund zu Teilen vegetarisch (fleischlos) ernähren, sollten Sie auch hier einige Dinge beachten. Bevor Sie eine Futterumstellung durchführen, sollten Sie in jedem Fall Ihren Tierarzt kontaktieren. Dieser kann gemeinsam mit Ihnen die Mahlzeiten Ihres Hundes nach Ihren moralischen Vorstellungen gestalten, ohne den Gesundheitszustand Ihres Bellos in Mitleidenschaft zu ziehen. 

Quellen:

  • Janine Starzonek, Lara von Lindeiner, Ingrid Vervuert: Beurteilung in Deutschland erhältlicher veganer Alleinfuttermittel für Hunde und Katzen, Tierärztliche Praxis. Ausg K Kleintiere Heimtiere, Nr. 49:4, S. 262-271
  • journalmedizin.de
  • RVA Zafalon et al.: Vitamin D metabolism in dogs and cats and its relation to diseases not associated with bone metabolism, J Anim Physiol Anim Nutr (Berl), Nr. 104:1 (2020), S. 322-342; Online-Version
  • F Hanisch, L Toresson, T Spillmann: Cobalaminmangel bei Hund und Katze, Tierärztliche Praxis. Ausg K Kleintiere Heimtiere, Nr. 46:5 (2018), S. 309-314
  • WD Mansilla et al.: Special Topic. The association between pulse ingredients and canine dilated cardiomyopathy. Addressing the knowledge gaps before establishing causation, Journal of Animal Science, Nr. 97:3 (2019), S. 983-997; Online-Version
  • Zafalon RVA, Risolia LW, Vendramini THA. et al. Nutritional inadequacies in commercial vegan foods for dogs and cats, PLoS One, Nr. 15:1 (2020); Online-Version
  • CM Gray, RK Sellon, LM Freeman: Nutritional adequacy of two vegan diets for cats, J Am Vet Med Assoc., Nr. 225 (2004), S. 1670-1675 
  • fediaf.org

Franziska G., Tierärztin
Profilbild von Tierärztin Franziska Gütgeman mit Hund

An der Justus-Liebig-Universität Giessen wurde ich umfassend zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen wie die Kleintier-, Grosstier- als auch Exotenmedizin sowie Pharmakologie, Pathologie und Lebensmittelhygiene sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner wissenschaftlich geprägten Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich aber auch meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin und kann so Ängste und Probleme als auch andere wichtige Fragen zur Tiergesundheit nachvollziehen und aufklären.


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