Perserkatze

Perserkatze

Die plüschige Perserkatze ist eine der beliebtesten Katzen überhaupt. Ist es verwunderlich, gehört die im Persischen als Gorbe-ye irāni ‚iranische Katze‘, bezeichnete Katze doch zu den ältesten Katzenrassen – und das, obwohl die uns heute bekannte Perser gar nicht aus dem Orient stammt!

Aussehen

Das lange, feine Fell mit viel Unterwolle gehört zur den herausragenden Besonderheiten der Perserkatze. Doch nicht jede Katze mit langem Fell ist eine Perserkatze – um dem Rassestandard zu genügen muss eine Perser noch viel mehr aufweisen als langes Fell!

Das Aussehen der Perserkatze wird von drei verschiedenen Zuchtvereinen geprägt, die verschiedene Eigenschaften unterschiedlich priorisieren. In der Regel muss eine Perserkatze aber mittelgross bis gross sein. Kater wiegen bis zu sieben Kilogramm, Kätzinnen bis zu sechs Kilo. Der Körper wird von niedrigen, stämmigen Beinen gehalten. Haarbüschel zwischen den Zehen der runden Pfoten sind durchaus erwünscht!

Neben dem langen Fell ist auch das Gesicht der Perserkatze typisch für diese Rasse. Der runde, breite Schädel weist runde Ohren, idealerweise mit Haarbüscheln, und eine sehr kurze Nase auf. Der Nasenrücken muss zwischen den Augen enden, der sogenannte „Stopp“ darf weder oberhalb des oberen Augenlids noch unterhalb des unteren Augenlids platziert sein. Dies verleiht der Perser ein sehr charakteristisches Aussehen, kann aber zu gewissen gesundheitlichen Einschränkungen führen und hat zu einer grossen Kritik der extremeren Perserkatzenzucht geführt. Dazu später mehr. Es gibt Züchter, die darum den alten Zuchtstandard mit einer langen Nase bevorzugen. Dieser entspricht allerdings nicht mehr dem aktuellen Zuchtstandard.

Bei der Perserkatze kommen fast alle bekannten Farben vor. Einfarbige Tiere können schwarz, weiss, rot und blau sein, auch braun („chocolate“), taubengrau („lilac“) und creme kommen vor. Doch damit nicht genug: zweifarbige und dreifarbige („Schildpatt“) Perser sind genauso beliebt wie Perserkatzen der exotischen Farbe „Smoke“: Während ein Grossteil des Haares eingefärbt ist, verbleiben die Haarwurzel der Katze silberweiß. Sind nur die Haarspritzen eingefärbt und ist der Grossteil des Haares silbergrau, handelt es sich um die Farbvariante„Shaded“.

Perserkatzen teilen sich einen gemeinsamen Rassestandard mit Exotischen Kurzhaarkatzen und Colourpoints. Unterschiede weisen sie nur in Felllänge, -textur und -farbe auf:

So wurde 1933 in einem der europagrossen Katzenverbände die Rasse „Exotic Shorthairs“ anerkannt. Sie entspricht vom Körperbau und Charakter her der Perserkatze, weist aber ein kurzes Teddybären-Fell auf. Die als „Maskenperser“ oder „Himalayan“ bezeichnete „Colourpoint“ entstammt der Kreuzung von Siam- und Perserkatzen. Die Tiere entsprechen den Rassestandard der Perserkatze, zeigen aber die Point-Färbung der Siamkatze. Jede Fellfarbe kann dabei als Point-Farbe vorkommen. Besonders häufig gesehen sind Schwarz und Rot sowie ihre Verdünnungen „blue“ und „creme“ sowie „chocolade“ und „cinnamon“ und deren Verdünnung „lilac“ und „fawn“.

Charakter

Perserkatzen gelten als sehr ruhige Tiere, die aufgrund ihres nur gering ausgebildeten Freiheitsdrangs als perfekte Katzen für die alleinige Haltung im Haus gelten. Diese Charaktereigenschaft hat sie zu einer der beliebtesten Katzenrassen in Deutschland werden lassen! Perserkatzen lieben es, mit ihren Menschen zu kuscheln und zu schmusen und sind durchaus anhängliche Tiere.

Dennoch: auch, wenn Perserkatzen als sehr ausgeglichen gelten, sind sie auch im Inneren noch Raubtiere. Auch ruhigen, eher spielfaulen Tieren sollte darum die Möglichkeit zum Entdecken, Klettern und Spielen gegeben werden. Gerade bei der Haltung in der Wohnung ist eine katzengerechte Wohnung ein Muss. So können Sie Ihre Katze auch ohne ausgedehnte akrobatische Einheiten geistig fit und glücklich halten!

Ein Kratzbaum gehört beispielsweise in jeden Katzenhaushalt – auch, wenn Mieze keine aufregenden Klettereinheiten absolviert, gehört Kratzen schliesslich zum Verhaltensrepertoir einer jeden Katze. Unsere Fellnasen müssen kratzen, um sich den abgestorbenen Krallenkappen zu entledigen. Dabei markieren sie ihr Revier durch Kratzspuren und verteilen für uns einen nicht wahrnehmbaren „Wohlfühlgeruch“ durch Duftdrüsen an den Pfoten. Ohne einen Kratzbaum, Kratzstamm oder auch nur ein Kratzbrett wird auch die geduldigste Katze auf Zimmerecken und Möbel ausweichen... Ein Kratzbaum dient aber nicht nur zum Kratzen. Er bietet Ihrer Katze Klettermöglichkeiten und eine tolle Aussichtsplattform. Gerade ruhige Fellnasen lieben es, die Welt von oben zu beobachten! Fenster- und Heizungsliegen vor einem abgesicherten Fenster dienen einem ähnlichen Zweck.

Geschichte

Bisher wurde angenommen, dass die Perserkatze von Langhaarkatzen des Orients abstammte. Im 17. Jahrhundert wurden erstmals Langhaarkatzen in Europa eingeführt – diese aus dem damaligen Persien, heutigen Iran, stammenden Katzen sollen den Grundstock für die Perserkatzenzucht gelegt haben. Die ursprünglichen Perser haben mit den heutigen Rassekatzen jedoch nicht mehr viel gemein – kein Wunder, schliesslich legen neuste wissenschaftliche Erkenntnisse nahe, dass die Vorfahren der uns bekannten Perserkatzen aus Russland stammen. Eine genetische Analyse des Perserkatzengenoms zeigt, dass die Perserkatze von langhaarigen russischen Hauskatzen abstammt und keine Verwandtschaft mit der asiatischen Linie besteht.

Interessanterweise etablierte sich die Bezeichnung „Perser“ erst mit der Gründung der ersten Zuchtvereine am Anfang des 20. Jahrhunderts. Bis dahin wurde vornehmlich der Begriff „Angorakatze“ für langhaarige Katzen verwendet. Seitdem hat sich der Zuchtstandard der heutigen Perserkatze mehrfach gewandelt. Im Laufe der Zeit wurde mehr Wert auf eine rundere Stirn und einen kürzeren Gesichtsschädel gelegt, zudem wurde das Fell immer üppiger und wirkte durch mehr Unterwolle noch plüschiger. Dies war auch zum Nachteil der Rasse. Mit steigender Beliebtheit der Perserkatze wurden auch Massenzuchten vor allem in den USA etabliert, die Katzen ohne Rücksicht auf gesundheitliche Nachteile verpaarten und ein immer extremer werdendes Zuchtbild prägten: eine zurückgesetzte Nase mit tränenden Augen und Neigungen zu Entzündungen im Nasen und Rachenbereich sowie Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme und Problemen beim Atmen machten die Perserkatze als „Qualzucht“ bekannt. Doch was bedeutet „Qualzucht“ überhaupt – und sollten auch die modernen Perserkatzen des 21. Jahrhunderts noch als „Qualzuchten“ bezeichnet werden?

Gesundheit

Der Paragraph 11 b des deutschen Tierschutzgesetzes definiert den Begriff „Qualzucht“. Laut Gesetzestext „ist (es) verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Massnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemässen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten“. Ebenso ist es untersagt, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei Nachkommen mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten. 1999 befasste sich ein Gutachten verschiedener Experten genauer mit dem Thema: das entstandene 148 Seiten starke Dokument geht auf einzelne Zuchtformen bei Hund, Katze, Kaninchen und Vögel und ihre Auswirkungen auf die Tiergesundheit ein. Neben der Züchtung haarloser Katzen sowie der Herauszüchtung von nach vorne oder hinten abgeknickten Ohrmuscheln, Kurzschwänzigkeit und Schwanzlosigkeit, Taubheit aufgrund von Weisszucht und Zwergenwuchs stand auch die bei Perserkatzen bekannte Brachyzephalie („brachis“ = kurz und „cephalus“ = Kopf), eine Abweichung der Kopfform durch eine herausgezüchtete Stupsnase, im Fokus. Auch, wenn Gesundheit vorgehen sollte, fehlt bis heute eine europaweite Verordnung klarer Zuchtverbote.

Dank engagierter Züchter, denen die Gesundheit ihrer Schützlinge vorgeht, hat sich die Perserkatzenzucht mittlerweile vom Bild der Massenzucht der 70er Jahre wegbewegt.

Trotz ihrer problematischen Zuchtgeschichte sind Perserkatzen darum bei guter Haltung, gesunder Ernährung und regelmässiger Pflege relativ gesund – mit wenigen Ausnahmen: die Rasse zeigt eine Neigung zur Polyzistischen Nierenkrankheit sowie progressivem Netzhautschwund, einer Verkrümmung der Netzhaut, die bis zu vollständiger Erblindung führen kann. Perserkatzen können auch von der bei vielen Katzenrassen auftauchende Hypertrophe Kardiomyopathie betroffen sein.

All diese Krankheiten sind vererbbar und legen nahe, wie wichtig eine clevere Zuchtauswahl sind. Professionelle Züchter lassen ihre Zuchttiere sowie deren Nachkommen frühzeitig und regelmässig auf Erbkrankheiten testen und schliessen betroffene Tiere von der Zucht aus.

Dies gilt besonders für Nierenzysten. Die Symptome zeigen sich erst im späten Lebensalter, bis dahin haben viele Zuchttiere das dominante Gen bereits an ihren Nachwuchs weitervererbt... Glücklicherweise kann eine Ultraschalluntersuchung das „Polycystic Kidney Disease“ aber schon ab der zehnten Lebenswoche nachweisen. Engagierte Züchter können erkrankte Tiere also frühzeitig von der Zucht ausschliessen und ebenfalls kranken Nachwuchs verhindern. Denn eine Katze mit Zysten vererbt diese immer an ihren Nachwuchs weiter!

Ein Herzultraschall ist das Mittel der Wahl, wenn es um Diagnose einer hypertrophischen Kardiomyopathie geht. Hypertrophe Kardiomyopathie kann zwar nicht geheilt werden, eine frühzeitige Diagnose bietet aber Behandlungsmöglichkeiten, um betroffenen Katzen dennoch ein langes Leben zu bieten!

Sie sehen: Zuchtkatzen sollten regelmässig tierärztlich untersucht werden, um Erbkrankheiten und ihre Weitergabe an den Nachwuchs auszuschliessen! Erstehen Sie Ihre Katze von einem Züchter, sollten Sie auf entsprechende Untersuchungsunterlagen der Elterntiere bestehen. Bitte versuchen Sie, unprofessionelle Züchter zu meiden, die „Rassekatzen ohne Papiere“ günstig anbieten. In der Regel legen diese wenig Wert auf Gesundheitsvorsorge, artgerechte Haltung und Ernährung ihrer Tiere – und dies kann Ihnen später teuer zu stehen kommen, wenn Ihre Katze an diversen Erbkrankheiten leidet...

Der Züchter Ihrer Wahl sollte darum Mitglied in einem Zuchtverein sein, die die Haltungsbedingungen der Katzen regelmässig kontrolliert, für eine sinnvolle Verpaarung einzelner Katzen sorgt und so versucht, genetische Erkrankungen auszuschliessen. Natürlich hat dies auch seinen Preis: eine Perserkatze kann bis zu 800 CHF kosten, für Zuchttiere müssen Katzenliebhaber oft an die 1.500 CHF auf den Tisch legen. Mit diesem Preis kaufen Sie aber nicht nur die Katze an sich, sondern auch das Engagement und Wissen der Züchter. Sie investieren in die Zeit, die Ihre Katzer gegönnt wird, um einen ausgeglichenen Katzencharakter zu entwickeln und alles katzenwichtige von ihrer Mutter und ihren Geschwistern erlernt, bevor sie mit frühestens 12 Wochen in ihr neues Zuhause zieht.

Pflege & Ernährung

Auch, wenn das kuschelige Fell der Perserkatze viele Katzenfreunde reizt, sollte eines nicht vergessen werden: langhaarige Katzen sind pflegeintensiv! Um ein Verknoten des Fells zu vermeiden, sollten Perserkatzen idealerweise täglich eingehend gebürstet werden. Ist das Perserkatzenfell einmal verfilzt, kann oft nur noch der Tierarzt helfen. Doch keine Sorge, der im Notfall abrasierte Pelz wächst schnell wieder nach!

Während der Fellwechselzeit verlieren Perserkatze trotz regelmässigem Kämmen und Bürsten einen immensen Teil Ihres Fells. Maltpaste und Katzengras können hier beim natürlichen Abgang verschluckter Haare helfen und Verstopfungen vorbeugen!

Durch die kurze Nase benötigen Perserkatzen oft zusätzliche Hilfe bei der Reinigung des Augen- und Nasenbereiches. Ein feuchtes Tuch reicht in der Regel aus – Kamillentee und ähnliches können den Augenbereich weiter reizen. Das flache Gesicht der Perserkatze geht auch mit einer speziellen Nahrungsaufnahme einher: Perserkatzen nehmen Nahrung vor allem mit der Zunge auf. Futter mit breiiger Konsistenz ist für sie oft einfacher zu fressen als grosse Fleischbrocken.

Ansonsten gilt bei der Auswahl des richtigen Futters für Ihre Perserkatze eines: je hochwertiger, desto besser. Katzen benötigen viel Protein in ihrer Nahrung, Fleisch sollte so den Hauptbestandteil des Katzenfutters ausmachen. Nassfutter ist Trockenfutter generell vorzuziehen – nicht nur aufgrund der meistens besseren Zusammensetzung, sondern auch aufgrund des höheren Feuchtigkeitsanteils. Unsere Katzen sind ihrer Abstammung nach „Wüstentiere“. Sie haben kein grosses Bedürfnis, den Wassernapf aufzusuchen und trinken von Natur aus wenig. Den Grossteil der benötigten Flüssigkeit nehmen sie über die Nahrung auf.

Die Perserkatze ist nicht umsonst eine der beliebtesten Katzenrassen Europas. Mit einer geschickten Auswahl des Züchters, ein wenig Pflege und einer gesunden Ernährung haben auch Sie viel Spass an den kuscheligen Fellnasen. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Perserkatze alles Gute!

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